Zu Beginn der EXPO gab es eine Talkshow in der mit persönlichkeiten die auf der EXPO Vertreten waren, meist politische, Diskussionen geführt wurden.

Ethan war zu Gast beim "N3 Expo Talk" und sprach u.a. mit Jan Hofer, Jürgen Fliege, Hans Jochen Vogel und Heinz Rudolf Kunze. Ich werde nicht die ganze Diskussionsrunde aufschreiben die über eine Stunde ging, sondern konzentiere mich darauf was Ethan zusagen hatte. Ethan wurde wärend des Gesprächs mit Heniz Rudolf Kunze angesprochen.

Hofer: Ethan Freeman, wissen sie eigentlich, das sie in einem Musical gespielt haben, dessen Text Heinz Rudolf Kunze ins deutsche Übersetzt hat ?

Ethan: Ja natürlich. Allerdings nie auf deutsch sondern auf englisch.

Kunze: Welches war es denn ?

Ethan: Ich hatte die Freude, Les Misérables zu singen. Es wäre fast soweit gekommen 1988 in Wien, aber ich habe dann einen anderen Weg eingeschlagen und bin dann zum Phantom der Oper in Wien gegangen. So hab ich die möglichkeit Les Miz auf deutsch zu singen leider nicht gehabt.

Kunze: Du wärst ein toller Javert gewesen.

Ethan: Danke, den hab ich dann später in London auch tatsächlich gespielt.

Hofer: Herr Freeman, sie sind Amerikaner. Sie sind es gewohnt, das Showwahlkämpfe geführt werden. Ist Politik bei uns langweilig ?

Ethan: Ich sehe in der Politik international einen "Anton aus Tirol" Effekt. Die Leute schalten auf ein extrem einfaches Muster. Der "Anton aus Tirol" z.B. ist aus Ryhtmischen Gründen interessant & inhaltlich ist es völlig albern. Ich glaube was man in Amerika interessant an Politik findet an der Politik sind Menschengeschichten. Damit kann man etwas anfangen. Die Welt ist auf eine Art so kompliziert geworden, das die meißten Menschen Schwierigkeiten haben, sich auf die komplexen Aspekte der Weltpolitik zu konzentrieren. Es gibt schon langsam auch Bewegungen, die das Gegenteilige beweisen. Die Leute, die sich plötzlich als Gegner der Globalisierung melden und sich denken "Moment mal, was für Folgen hat das wirklich für uns als einfache Menschen ?". Sonst in der Politik sind Persönlichkeiten sehr interessant geworden, weil die Themen für viele Menschen zu schwierig geworden sind. Das ist eine Krankheit die langsam dabei ist, sich zu verbreiten.

Hofer: Wie lebt es sich als Amerikaner in Deutschland ? Wie empfinden sie es, in einer deutschen Talksho zu sitzen ? Ist das typsich deutsch, was sie hier erleben ?

Ethan: Nein, ich finde, das ist eine Ansammlung von denkenden Menschen, Künstlern, Politikern und spirituellen Menschen. Da bestehten auch keine Grenzen mehr. Ich finde, es ist eine internationale Geschichte, wenn Leute zusammensitzen, denken und quatschen und ich bin sehr froh da dabeisein zu dürfen, weil alle Themen die heute angeschnitten wurden empfinde ich sehr stark bei dem was ich tue. Gerade bei Jekyll & Hyde wo es sehr viel um Kernfragen der Menscheit geht. Was ist gut ? Was ist böse ? Wo trennen wir unsere tierischen Triebe von unseren moralischen Werten und unserer ethischen Auffassung des Lebens. Das sind wie 1875 auch jetzt total aktuelle Themen und das sind auch die Themen, die die Menschen motivieren in die Politik zu gehen oder zu schreiben oder zu Predigen. Das sind die Kernfragen der Menschheit. Theater zu spielen ist für mich auch eine Art Geschichten zu erzählen, eine Art mit Mythen und Märchen zu arbeiten um den Menschen so ein bißchen mehr Verständniss für ihr eigenes dasein zu geben und zu vermitteln.

Hofer: Und gleichzeitig ist das, was sie betreiben, auch eine Art professioneller Marathon. Sie sind ja fast jeden Abend auf der Bühne.

Ethan: Es ist eine sehr schwierige Rolle. Sowohl stimmlich als auch körperlich. Gesitig auch. Ich nehm das sehr ernst, was ich mache. Es ist zwar auch eine Unterhaltungsform, aber es ist mir auch ein sehr wichtiges Anliegen, diese Geschichte zu erzählen und ein bißchen Licht darauf zu werfen. Daher bin ich froh, das ich die möglichkeit habe, alles zu geben um das jeden Abend zu schaffen. Dafür bin ich gebaut und gemacht und geschaffen und ich fühl mich da sehr wohl platziert um das zu tun. Es macht auch Spass und ich bin sehr froh in meinem Alter noch etwas treiben zu dürfen, was fast ein Leistungssport ist.

Hofer: Wieviel Zeit haben sie denn bei dem Marathon auch noch Deutschland zu erleben ???

Ethan: Ich interessiere mich am Rande meines daseins grundsätzlich auch für Politik in jedem Land wo ich gespielt habe. Ich war auch in Österreich und habe einige Jahre in England verbracht. Ich beschäftige mich auch immernoch mit der amerikanischen Politik soweit das möglich ist. Ich bin aber auch durch eine art skepsis kein politischer Mensch. Ich versuche Menschen auf andere art zu bewegen. Ich habe leider auch wärend meines Lebens in Amerika wie viele Menschen dort allmählich mein Vertrauen in die Politik, eben durch diese Verblödung der Politik & des öffentlichen Lebens, in Amerika nennt man das "Dumming down". Und es ist meine Sache als Künstler, Menschen auf anderem Weg zu motivieren um ihr Leben besser zu gestalten. Das ist natürlich im Gegensatz zur Politik eine recht oberflächliche Art einerseits, andererseits kann man mit der Kunst, mit Kreativität und dem erzählen von Geschichten viel mehr ans Unterbewußtsein kommen als z.B. jemand nur mit einem politischen Inhalt rankommt.