Zuletzt war er als Scrooge in Berlin zu sehen, im März steht der international gefragte Künstler bei einer Musical - Uraufführung in Wien auf der Bühne: Finix, keine Großproduktion, sondern ein Projekt des Performing Center Austria, indem es um Gewalt, Intoleranz und Manipulation geht, und bei dem die Wiener Ausbildungsstätte mit der Initiative „Kunst gegen Gewalt“ kooperiert. Freeman spielt in Finix die Rolle des Lehrers Kurt Korn, der mit seinen Schülern ein Verhängnisvolles Experiment anstellt.
Am 16. März wird in Köln Premiere von “Jekyll & Hyde” sein. Wäre es interessant gewesen, diese Rolle noch einmal zu spielen ?
Dr. Jekyll / Mr.Hyde ist eine sehr anspruchsvolle Rolle, die ich in Bremen mehr als 340 mal gespielt habe. In dieser Zeit habe ich alles aus dieser Rolle herausgeholt. Für mich ist es deshalb jetzt künstlerisch interessanter, mich neuen Projekten zu widmen.
Ein interessantes Projekt ist sicherlich Finix, bei dem Sie demnächst in Wien mitwirken werden. Worum handelt es sich dabei ?
Finix ist ein neues Musical - eine Uraufführung. Es basiert auf dem sehr erfolgreichen Buch “Die Welle” und erzählt eine sehr erschreckende, wahre Geschichte: Ein Lehrer in den USA machte mit seiner Klasse ein Experiment um zu beweisen, wie leicht es ist andere Menschen zu manipulieren. Der Stoff wurde von den Autoren in die Gegenwart gezogen, denn auch heutzutage lassen sich Menschen manipulieren.
Worum genau geht es in Finix ?
Es ist eigentlich eine ähnliche Geschichte wie “Die Welle”. Allerdings geht es nicht um die Verbrechen der Nazis, sondern um die Ignoranz und Intoleranz gegenüber dem Islam. Die Schüler fragen sich: wie konnten Menschen so manipuliert werden, dass sie mit Flugzeugen in Hochhäuser flogen und tausende Menschen mit in den Tod rissen. Der Lehrer Kurt Korn, den ich verkörpern werde, macht daraufhin ein Experiment, ähnlich eben wie „Die Welle“. Er überlegt sich einen hippen, amerikanisch klingenden Namen, um dem ganzen einen positiven Touch zu geben. Finix: Dieser Name ist angelehnt an die islamische Legende von Phoenix, der am Ende seines Lebens verbrennt und aus seiner eigenen Asche wieder aufersteht. Wie im Buch „Die Welle“ wird auch in Finix das Experiment ein Erfolg und droht aus dem Ruder zu laufen. Auch Kurt Korn merkt, dass der Gefallen an Macht und Manipulation anderer findet. Die Aussage des Stückes ist einfach: dass man - auch wenn man sich in der Gruppe befindet - nicht seine Individualität und die Fähigkeit über Dinge nachzudenken, aufgeben darf.
Finix ist zwar im Wiener Raimund Theater zu sehen, ist aber keine typische Musicalproduktion eines Theaters. Wer produziert es ?
Finix wird zusammen mit dem Performing Arts Center Austria aufgeführt. In dieser Schule werden Musicalschüler - also der Musicalnachwuchs - ausgebildet.
Mit einem solchen anspruchsvollen Stück ist es ja nicht immer ganz einfach den Geschmack des Publikums zu treffen. Meinen Sie, das ist hier anders ?
Ja, auf jeden Fall. Es ist ein sehr spannender Stoff. Ich denke, wenn eine anspruchsvolle Geschichte unterhaltend und mit spannung erzählt wird, berührt und fasziniert sie junge Menschen. Und genau das ist bei Finix der Fall.
Was reizt Sie besonders an der Rolle des Kurt Korn ?
Diese Rolle ist eine grosse Herausforderung für mich, weil ich endlich einmal eine Rolle in meiner Altersgruppe spielen kann. Auch sprachlich ist es für mich sehr spannend, da ich ja möglichst überzeugend den deutschen Geschichtsprofessors spielen möchte. Besonders gereizt hat mich allerdings die Tatsache, dass ich bei diesem Stück ein Teil des kreatives Prozesses bin. Es ist schon lange mein Traum gewesen, ein wirklich neues Musical zu machen und meine Rolle selbst zu kreieren. Diese Möglichkeit habe ich nun bekommen.
Hatten Sie persönlich schon einmal mit Gewalt und Intoleranz zu tun ?
Mit Gewalt und Intoleranz wurde ich bisher glücklicherweise nicht konfrontiert, abgesehen von den Dingen, die man in der Gesellschaft mitbekommt. Intoleranz und Gewalt mir gegenüber habe ich bisher nicht erfahren.
Finden Sie, dass in Zukunft mehr Musicals mit politischem Inhalt auf die Bühne kommen sollten ?
Wenn man ein politisches Thema gut abhandelt, kann es ein spannendes Theaterstück warden, egal ob mit oder ohne Musik. Es ist natürlich immer schwierig, aber man kann es probieren. Ich denke, das Publikum hat genug pure Unterhaltung, so dass man sehr gut auch mal ein ernsthaftes Stück über Jugendliche präsentieren kann - allerdings sollte man hierbei nicht ganz auf die Unterhaltung verzichten.