Ein Gespräch mit Ethan Freeman

Die Frage, ob er eigentlich an die Existenz von Vampiren glaubt, beantwortet Ethan Freeman, der Darsteller des Dracula in der diesjährigen gleichnamigen Musicalproduktion der Freilichtspiele Tecklenburg, auf unerwartete Weise:

"Ich glaube, es gibt viele Vampire im übertragenen Sinne. Nicht von ungefähr ist der Vampir ein sehr starker archetypischer Mythos mit engem Bezug zum Mensch-Sein. Es gibt auf dieser Welt sicher viele innerliche Vampire. Denn zum Vampir gehört sehr vieles, das gar nicht so viel mit dem Herumflattern einer Fledermaus zu tun hat. - An echte Vampire, wie wir sie aus Geschichten kennen, glaube ich nicht, aber wer weiß, vielleicht werde ich ja eines Tages eines Besseren belehrt...“

Ethan Freeman ist auf seine Weise vertraut mit der Figur des unsterblichen Dracula, der sich vom Blut der anderen ernährt. Die Zerrissenheit der Rolle zwischen Leben und Sterben, zwischen Lieben und Töten könnte Ethan Freeman auf den Leib geschrieben sein. Er scheint prädestiniert für den „charismatischen Bösewicht“, wie er seine großen Rollen selbst beschreibt. Immer wieder hat er in seiner Musical-Laufbahn Kreaturen gespielt, die Wanderer zwischen den Welten des Guten und des Bösen sind: Das Phantom der Oper, Jeckyll & Hyde, Die Schöne und das Biest, Cats, - all diese Themen kreisen um die geheimnisvolle Grenze zwischen Licht und Schatten, Gut und Böse.


Ethan Freeman als "The Beast" - "Die Schöne und das Biest"

Ethan Freeman sieht in Dracula auf wieder neue Weise die Herausforderung, einen überlebensgroßen menschlichen Charakter darzustellen, der den alles entscheidenden Kampf mit sich selbst führt. Eine starke, magische Persönlichkeit mit geistiger und weltlicher Macht, mit grausigem und doch unwiderstehlichem Charisma.

Fast kann man es schon so sehen, dass die Rolle des Dracula für Ethan Freeman vorgesehen war. Denn bereits 1997 sollte DRACULA in München aufgeführt werden und Freeman war für die Hauptrolle ausgewählt. Nach dem Casting wurde er nach Prag eingeladen, um sich das Musical im Original anzusehen. Die Münchener Dracula-Produktion kam dann aber nicht zustande. Der Eindruck der Prager Aufführung aber blieb Freeman erhalten.

Neben zahlreichen anderen Engagements an großen Musicaltheatern wurde Ethan Freeman über seinen langjährigen Kollegen und Freund Dean Welterlen auf die Freilichtbühne in Tecklenburg aufmerksam, wo er 2001 in JESUS CHRIST SUPERSTAR auf unvergessen beeindruckende Weise den (ebenfalls innerlich zerrissenen) Pilatus gab und dabei die Bühne mit einer ungeheuer kraftvollen Präsenz erfüllte.


Ethan Freeman als Pilatus in "Jesus Christ Superstar 2001"

Zufällig gab es dann aus einem ganz anderen Anlass Ende 2003 ein Telefonat zwischen Radulf Beuleke und Ethan Freeman, indem ihm die Idee angetragen wurde, in 2004 die Rolle des Dracula zu übernehmen.

Der Vampir in dem Musical DRACULA folgt wenig traditionellen Vorlagen. Viele Bilder und Visionen in unseren Köpfen kreisen um Blut und Knoblauch. Für Ethan Freeman hat dieser Dracula aber eben so viele weltpolitische und romantische Facetten. Für ihn ist es eine große Rolle, die sich über Stimmung und Macht trägt, die mehr Sein verlangt als Tun.

Die Kulisse der alten Burg sieht Freeman wie geschaffen für das Musical.

„Sie passt phantastisch zu diesem Dracula-Thema. Die Burgruine bietet eine einmalige Umgebung für das Stück und vermittelt eine Atmosphäre, die man so nirgendwo anders schaffen kann. Es wird in diesem Sommer viel Musik, Atmosphäre und Magie in Tecklenburg geben!“