Jesus Christ Superstar

HOSANNA
es begab sich am 21 Tage des 7 Monats des Jahres 2001 nach Christus, als die Völker sich auf die Reise begaben, um sich zu sammeln, am Burgtheater eines kleinen Ortes namens Tecklenburg, wo man den diesjährigen Schlossfestspielen beiwohnen wollte....soviel also dazu...

...doch bevor ich zur Premiere von "Jesus Christ Superstar" berichte, ein kleiner Rückblick auf dasAlte Testament den ihr bitte alle beherzigen sollt falls Ihr euch das Stück ansehen wollt: Hier nämlich:

Die 10 Gebote der Freilichtspiele Tecklenburg !!!!!!

1. Du sollst das Wetter richtig einschätzen
2. Du sollst was Warmes zum Anziehen mitbringen
3. Du sollst was Regenfestes zum Anziehen mitbringen
4. Du sollst ein bequemes und gut gepolstertes Sitzkissen mitnehmen
5. Du sollst die Blitzlichtfunktion Deines Fotoapperates ABSCHALTEN
6. Du sollst ( ohne Blitzlicht ) viele schöne Fotos machen
7. Du sollst die schönsten Fotos dieser Homepage zur Verfügung stellen
8. Du sollst Dein Handy abschalten - JA AUCH DU !!!!!!!
9. Du sollst Dich entspannen und die tolle Vorstellung genießen
10. DU SOLLST DAS DARGEBOTENE BEJUBELN UND BEKLATSCHEN !!!!!

Wenn das alles befolgt wird, steht einem gelungenen und wunderschönen Theaterabend nichts mehr im Wege, und wenn das Wetter weiter so gut mitspielt wie zur heutigen Premiere, dann kann es auch nur noch besser werden.

In dieser Inszenierung von Andrew Lloyd Webbers Rockoper steht Ethan in der Rolle des Pontius Pilatus auf der Bühne. Eine Rolle, die im Gegensatz zu seinen vorherigen Rollen zwar relativ klein ausfällt, wo er jedoch in seinen 3 Szenen und Songs sehr beeindrucken kann...aber fangen wir vorne an:

Erzählt wird bekanntermaßen die Geschichte der letzten Tage im Leben Jesu ( Sascha Th. G. Krebs ), um den Verrat durch Judas ( Alex Melcher ), die Beziehung zu Maria Magdalena ( Caroline Fortenbacher P. ), die Verurteilung durch Pilatus ( Ethan Freeman ) und am Ende um seine Kreuzigung und seinen Tod. Enstanden ist dieses legendäre Musical in den 70er Jahren und sorgte durch die Umsetzung der biblischen Geschichte in Form von lauten Rockklängen von Andrew Llyod Webber und kritischen Liedtexten von Tim Rice für große Empörung und einige Skandale. Vielleicht ist es gerade deshalb heute, gut 30 Jahre später oft ein gespielter Musical Klassiker.

Dieser wurde auf der Freilichtbühne in Tecklenburg sehr beeindrucked in Szene gesetzt. Die Burgkulisse schafft eine ganz besondere, dem Stück angemessene Atmosphäre, die ohne große Bühnenbilder oder Licht,- und Showeffekte zu beeindrucken vermag. Das Stück trägt sich selbst durch die Musik, die hervorragende Band und das hoch talentierte Ensemble. In den Hauptrollen portraitiert Sascha Krebs souverän den missverstandenen "Sohn Gottes" und kann dabei stimmlich vorallem bei "Gethsemane" einen musikalischen Höhepunkt setzen. Allerdings bleibt er im Schatten seines Gegenspielers Judas, den TdV & Rent Star Alex Melcher, der sich von der ersten bis zur letzten Szene mit einer perfekten Rockröhre und der richtigen Mischung aus Verachtung & Verzweiflung, Gehör verschafft. Die dritte in der Riege der 3 Hauptdarsteller ist Caroline Fortenbacher P. Mit ihr steht eine erfahrene Charakterdarstellerin auf der Bühne, die der Rolle der Maria die nötige Tiefe gibt und sie mit einer beeindruckend vielseitigen Stimme hervorragend singt. Ihr Hit "Wie soll ich ihn nur lieben", vorallem aber das neue "Ich möcht neu beginnen" bleiben an diesem Abend nachhaltig in Erinnerung.

Nun aber zu den sog. "Nebenrollen":-) Als Römer Pilatus machte Ethan schon bei seinem ersten, kleinen aber feinen Song, "Pilatus´ Traum" auf sich aufmerksam. Stimmlich sensationel mühelos meistere er den Song, indem Pialtus seinen Traum um den Mann aus Galliläa deutet. Spielt Ethan hier noch den verschlafenen, nachdenklich unsicheren Mann reitet er dann im zweiten Akt selbsbewusst und in stolzer Rüstung auf die Bühne um Jesus zu treffen. Seinen größten Auftritt hat er dann aber erst kurz vor Ende des Stückes in der Verhandlungsszene. Hier kann er mit auftrumpfener Stimme und hinreißendem Spiel richtig aufdrehen. Er zeigt die verschiedenen Seiten des Pilatus interpretatorisch sehr sicher auf und macht deutlich, dass doch nicht wirklich er der Böse ist, der die Schuld am Tod Jesu trägt. Mit dieser Darstellung ragt Ethan hinaus und macht seine wenigen, kurzen Szenen zu Höhepunkten der Vorstellung. Man sollte die Gelegenheit, Ethan schon in dieser Rolle zu sehen, nutzen. Obwohl er sie vor einigen Jahren bereits auf CD eingesungen hat, spielt er sie nun zum ersten mal live auf der Bühne vor Publikum und das sollte sich niemand entgehen lassen. Er verleiht dem Typ Pilatus die nötige Reife und Autorität und begeistert vorallem durch seine kraftvolle Stimme. Eine überwiegend grandiose Darstellung !!!!!

Auf nur eine Szene beschränkt ist der Auftritt von Herodes. Dieser stellt sich jedoch als ein phenomenaler Showstopper heraus, der schlichtweg genial umgesetzt wurde. Ohne viel Schnickschnack einer Las Vegas Kulisse gelingt es Perrin Allen in dieser Rolle die Lacher auf seine Seite zu bringen. Stimmlich super und spielerisch genial, verpackt er seine Auftritt mit so viel Ironie und Komik, dass es die Zuschauer kaum auf den Sitzen hält. Im sexy Kostüm stolziert er von seinem Gespann ( Ben Hur läßt Grüßen ) und läßt dann 3 Minuten lang ein Freudenfest an Spott und Hohn über Jesus ergehen ( Frohe Ostern ). Ein ganz großes Lob geht dabei auch an die Choeographie und die 4 Tänzerinnen ( Iris Makris, Monika Dehnert, Lillemor Spitzer & Sabine Schreitmiller ), die Herodes tänzerisch toll unterstüzen und später auch Alex Melcher beim Titelsong "Superstar" begleiten.

Neben den bisher erwähnten Darstellern können die Freilichtspiele Tecklenburg mit einem hervorragenden und riesigen Ensemble aufwarten. Die Massenszenen waren dadurch sehr mitreißend und beeindruckend und wurden von einem gigantischen Chor musikalisch begleitet. Zum Glück ist die deutsche Übersetzung recht gut gelungen. An die Genialität des Original heranzukommen ist zwar schwer, doch die Adaption ist gelungen und läßt sich gut anhören.

Rückblickend kann man den Besusch in Tecklenburg also nur empfehlen und dazu ist noch 13 mal die Gelegenheit.

Fotos von Kirsten Dannemann