...doch bevor ich zur Premiere von "Jesus Christ Superstar" berichte, ein kleiner Rückblick auf dasAlte Testament den ihr bitte alle beherzigen sollt falls Ihr euch das Stück ansehen wollt: Hier nämlich:
Die 10 Gebote der Freilichtspiele Tecklenburg !!!!!!
1. Du sollst das Wetter richtig einschätzen
2. Du sollst was Warmes zum Anziehen mitbringen
3. Du sollst was Regenfestes zum Anziehen mitbringen
4. Du sollst ein bequemes und gut gepolstertes Sitzkissen mitnehmen
5. Du sollst die Blitzlichtfunktion Deines Fotoapperates ABSCHALTEN
6. Du sollst ( ohne Blitzlicht ) viele schöne Fotos machen
7. Du sollst die schönsten Fotos dieser Homepage zur Verfügung stellen
8. Du sollst Dein Handy abschalten - JA AUCH DU !!!!!!!
9. Du sollst Dich entspannen und die tolle Vorstellung genießen
10. DU SOLLST DAS DARGEBOTENE BEJUBELN UND BEKLATSCHEN !!!!!
Wenn das alles befolgt wird, steht einem gelungenen und wunderschönen Theaterabend nichts mehr im Wege, und wenn das Wetter weiter so gut mitspielt wie zur heutigen Premiere, dann kann es auch nur noch besser werden.
In dieser Inszenierung von Andrew Lloyd Webbers Rockoper steht Ethan in der Rolle des Pontius Pilatus auf der Bühne. Eine Rolle, die im Gegensatz zu seinen vorherigen Rollen zwar relativ klein ausfällt, wo er jedoch in seinen 3 Szenen und Songs sehr beeindrucken kann...aber fangen wir vorne an:
Erzählt wird bekanntermaßen die Geschichte der letzten Tage im Leben Jesu ( Sascha Th. G. Krebs ), um den Verrat durch Judas ( Alex Melcher ), die Beziehung zu Maria Magdalena ( Caroline Fortenbacher P. ), die Verurteilung durch Pilatus ( Ethan Freeman ) und am Ende um seine Kreuzigung und seinen Tod. Enstanden ist dieses legendäre Musical in den 70er Jahren und sorgte durch die Umsetzung der biblischen Geschichte in Form von lauten Rockklängen von Andrew Llyod Webber und kritischen Liedtexten von Tim Rice für große Empörung und einige Skandale. Vielleicht ist es gerade deshalb heute, gut 30 Jahre später oft ein gespielter Musical Klassiker.
Dieser wurde auf der Freilichtbühne in Tecklenburg sehr beeindrucked in
Szene
gesetzt. Die Burgkulisse schafft eine ganz besondere, dem Stück
angemessene
Atmosphäre, die ohne große Bühnenbilder oder Licht,- und Showeffekte zu
beeindrucken vermag. Das Stück trägt sich selbst durch die Musik, die
hervorragende Band und das hoch talentierte Ensemble.
In den Hauptrollen portraitiert Sascha Krebs souverän den
missverstandenen
"Sohn Gottes" und kann dabei stimmlich vorallem bei "Gethsemane" einen
musikalischen Höhepunkt setzen. Allerdings bleibt er im Schatten seines
Gegenspielers Judas, den TdV & Rent Star Alex Melcher, der sich von der
ersten
bis zur
letzten Szene mit einer perfekten Rockröhre und der richtigen Mischung
aus
Verachtung & Verzweiflung, Gehör verschafft. Die dritte in der Riege
der 3
Hauptdarsteller ist Caroline Fortenbacher P. Mit ihr steht eine
erfahrene
Charakterdarstellerin auf der Bühne, die der Rolle der Maria die nötige
Tiefe
gibt und sie mit einer beeindruckend vielseitigen Stimme hervorragend
singt.
Ihr Hit "Wie soll ich ihn nur lieben", vorallem aber das neue "Ich
möcht neu
beginnen" bleiben an diesem Abend nachhaltig in Erinnerung.
Nun aber zu den sog. "Nebenrollen":-)
Als Römer Pilatus machte Ethan schon bei seinem ersten, kleinen aber
feinen
Song, "Pilatus´ Traum" auf sich aufmerksam. Stimmlich sensationel
mühelos
meistere er den Song, indem Pialtus seinen Traum um den Mann aus
Galliläa
deutet. Spielt Ethan hier noch den verschlafenen, nachdenklich
unsicheren Mann
reitet er dann im zweiten Akt
selbsbewusst und in stolzer Rüstung auf die Bühne um Jesus zu treffen.
Seinen
größten Auftritt hat er dann aber erst kurz vor Ende des Stückes in der
Verhandlungsszene. Hier kann er mit auftrumpfener Stimme und
hinreißendem Spiel
richtig aufdrehen. Er zeigt die verschiedenen Seiten des Pilatus
interpretatorisch sehr sicher auf und macht deutlich, dass doch nicht
wirklich
er der Böse ist, der die Schuld am Tod Jesu trägt. Mit dieser Darstellung
ragt Ethan
hinaus und macht seine wenigen, kurzen Szenen zu Höhepunkten der
Vorstellung.
Man sollte die Gelegenheit, Ethan schon in dieser Rolle zu sehen,
nutzen. Obwohl
er sie vor einigen Jahren bereits auf CD eingesungen hat, spielt er sie
nun zum
ersten mal live auf der Bühne vor Publikum und das sollte sich niemand
entgehen
lassen. Er verleiht dem Typ Pilatus die nötige Reife und Autorität und
begeistert vorallem durch seine kraftvolle Stimme. Eine überwiegend
grandiose
Darstellung !!!!!
Auf nur eine Szene beschränkt ist der Auftritt von Herodes. Dieser stellt sich jedoch als ein phenomenaler Showstopper heraus, der schlichtweg genial umgesetzt wurde. Ohne viel Schnickschnack einer Las Vegas Kulisse gelingt es Perrin Allen in dieser Rolle die Lacher auf seine Seite zu bringen. Stimmlich super und spielerisch genial, verpackt er seine Auftritt mit so viel Ironie und Komik, dass es die Zuschauer kaum auf den Sitzen hält. Im sexy Kostüm stolziert er von seinem Gespann ( Ben Hur läßt Grüßen ) und läßt dann 3 Minuten lang ein Freudenfest an Spott und Hohn über Jesus ergehen ( Frohe Ostern ). Ein ganz großes Lob geht dabei auch an die Choeographie und die 4 Tänzerinnen ( Iris Makris, Monika Dehnert, Lillemor Spitzer & Sabine Schreitmiller ), die Herodes tänzerisch toll unterstüzen und später auch Alex Melcher beim Titelsong "Superstar" begleiten.
Neben den bisher erwähnten Darstellern können die Freilichtspiele Tecklenburg
mit einem hervorragenden und riesigen Ensemble aufwarten. Die Massenszenen waren
dadurch sehr mitreißend und beeindruckend und wurden von einem gigantischen
Chor musikalisch begleitet. Zum Glück ist die deutsche Übersetzung recht gut
gelungen.
An die Genialität des Original heranzukommen ist zwar schwer, doch die
Adaption ist gelungen und läßt sich gut anhören.
Rückblickend kann man den Besusch in Tecklenburg also nur empfehlen und dazu ist noch 13 mal die Gelegenheit.
Fotos von Kirsten Dannemann