WIE WIRD MAN SEINEN SCHATTEN LOS ?
Dies ist einer der Top Songs aus Mozart der die Botschaft des Musicals und die Einstellung des Titelhelden wiederspiegeln. Jedoch beschreibt diese Frage auch sehr gut das Problem, das Mozart - Das Musical überhaupt hat. So komisch es klingen mag, es steht im Schatten seiner Schöpfer Michael Kunze und Sylvester Levay, die schon Elisabeth geschaffen haben. Und wenn das deutsche Publikum an Elisabeth denkt, denkt es an eine bombastische Musical Show, die es in Essen zu sehen gibt, und die ist phenomenal. In Hamburg jedoch, wo Mozart seit September 2001 täglich über die Bühne der "Neuen Flora" geht, wird der Zuschauer überrascht sein, dort keine atemberaubende Bühnenshow zu erleben.
Warum man trotzdem, vielleicht erst im Nachhinein, begeistert sein wird, erkennt man, wenn Mozart seinen Schatten los wird - dann nämlich ist Mozart ein anspruchsvolles Theaterstück mit einer geilen Musik - und keine "Musical Show" Unter diesem Titel ist Mozart ebenso beeindruckend wie eine Elisabeth oder ein Phantom der Oper.
Die rockige Musik von Sylvester Levay hat viele Höhepunkte wie z.B. Constanzes Solo "Irgendwo wird immer getanzt", Colloredos "Wie kann es möglich sein", der Showstopper der Baronin "Gold von den Sternen" und natürlich zahlreiche Songs von Wolfang wie "Warum kannst Du mich nicht lieben",- "Was für ein grausames Leben" und natürlich das angesprochene "Wie kann es möglich sein"
Dazu gibt es viele tolle Ensemblenummern, die von Dennis Callahan zwar eindrucksvoll choreographiert wurden, jedoch auf der riesigen Bühne der "Neuen Flora" etwas leer wirken.
Die Darsteller beeindrucken alle auf ihre Art und Weise, vorallem Maricel als Constanze und natürlich Yngve Gasoy Romdal in der Titelrolle.
Ethan spielt hier die Rolle des Leopold Mozart, Kapellmeister bei Colloredo und der Vater von Nannerl und dem Wunderkind Wolfgang. In dieser sehr spielintensiven Charakterrolle beeindruckt Ethan vorallem als sehr feiner Schauspieler, der wunderbar alle Gefühle des Leopolds
auf der Bühne lebendig macht. Er überzeugt als liebevoller Vater genauso wie als strenger und stolzer Bewahrer des Wunderkinds und beeindruckt vorallem gegen Ende des Stückes (und des Lebens Leopolds) als alter, gebrochener Mann, dessen Träume zerstört wurden und der seinen Sohn nicht mehr lieben kann. Ethan ist hier vorallem Mensch und kein Phantom, Biest oder Monster, und daher ist besonders die Intensität, mit der er seiner Rolle Leben einhaucht, bewundernswert. Ein grosses Lob geht dabei an die Maske, dank der Ethan als alter Mann auf der Bühne kaum wiederzuerkennen ist. Natürlich singt er die grosse, aber sehr sanfte Partie des Leopolds sehr, sehr schön. Seine Soloballade "Schließ Dein Herz in Eisen ein" gehört
dank seiner gefühlvollen Interpretation genauso zu den Highlights der Show wie die oben genannten Titel. Auch bei "Niemand liebt Dich so wie ich" bestärkt
er mit seiner kraftvollen Stimme die Gefühle und die Zerissenheit, die
er gegenüber seinem rebellischen Sohn empfindet. Neu hinzugekommen sind
für Ethan das Duett "Gibt es Musik die nie zu Ende geht" zusammen mit
Martha Helmin als Nannerl.
Allein wie Ethan in dieser Rolle berührt, lohnen den Besuch und wenn ihr den Schatten der Show in euren Köpfen los werdet und euch auf die Menschen auf der Bühne einlasst, wird es sicher ein unvergessenes Theatererlebnis werden und Fans von Ethan werden es geniessen, ihn in dieser Rolle sehen zu können, die auf ihre Art so anders ist als seine bisherigen Rollen und trotzdem oder gerade deshalb von ihm besonders ergreifend und begeisternd gespielt und gesungen wird.